Sonderberich SABA-Freiburg Vollautomatic 15M-Stereo
Die Kenner werden es wissen, ein SABA-Freiburg 15M ist immer einen Bericht wert! Für alle anderen kurz erklärt: Dieses Radio läutet langsam die lange Ära der Röhrenradios ein. Automatic Radios baute SABA zu Erscheinungszeit des Freiburg 15 schon gute 10 Jahre. Nicht dümmer werdend, weiterhin höchst innovativ, bekanntes stetig verbessert und optimiert und exellent in der Ausführung steht mit dem Freiburg 15M ein völlig ausgereiftes Röhrenradio da. Und mit der konkurenzlosen, einzigartigen SABA-Automatic wohl auch das Spitzenprodukt der Röhrenradios.
Die Freiburg Automatic Serie ist in allen Modellen sehr begehrt. Wobei der Freiburg 14, 15,15M und 18 die wohl seltensten und teuersten sind. Für vernünftige Exemplare des 15 und 18 zahlt man immer satt vierstellig. Wenn denn überhaupt mal eins angeboten wird.
Aber wie das so ist, nach 61 Jahren braucht auch die beste Technik mal ein wenig Zuwendung. Ich hätte nicht gedacht davon mal eins live zu sehen - und überholen zu dürfen.
Das meine Kunden durchaus weite Strecken auf sich nehmen um Ihre geliebten Geräte persönlich bei mir anzuliefern gehört heute schon fast einfach dazu. Obwohl ich das wohl niemals als selbstverständlich ansehen werde. Diesmal reiste der Kunde (Marco, ich grüße Dich), sogar aus Österreich an!
Das Radio lief fast ohne Einschränkungen und war recht oft im Einsatz. Grundsätzlich sollte nur eine Überprüfung stattfinden und ein bekanntes, vorhandenes Manko behoben werden. Nun denn, dann schauen wir mal was mich da so erwartet.
Mit 24 kg Gesamtgewicht und stattlichen Außmaßen, ist schon der Chassisausbau recht anstrengend. Der Aufbau des Chassis auf mein Reparaturgestell topt das dann noch leicht. Aber dann konnte es losgehen.
Die erste Sichtprüfung ergab - ich war nicht der erste der das Radio auf dem Tisch hatte. Folgendes wurde schon gemacht:
- Der Lade/Siebelko (Becher) wurde stillgelegt, im Radio belassen und unterhalb zwei Einzelelkos als Ersatz eingebracht.
- Der Selengleichrichter wurde durch einen Siliziumgleichrichter ersetzt.
- Der Motorkondensator und zwei weitere wurden ersetzt.
- Einige durchtrennte, aber wieder geflickte Leitungen.
Grundsätzlich einiges sinnvoll und Gefahrminimierend für das Radio. Jedoch....ich war, zumindest teilweise, nicht zufrieden mit der Ausführung.
Die Ersatzelkos für den Becher waren gut verlötet. Leider aber gab es keinerlei vernünftige Befestigung, die Elkos schlabberten lose umher.
Der neue Gleichrichter war zwar mal irgendwann an's Chassis geklebt worden, jetzt jedoch frei schwebend. Ich mag ja kleinlich sein, aber bei Teilen die mit einigen hundert Volt arbeiten, sollte auch immer eine dauerhaft haltbare Befestigung Pflicht sein. Darüber hinaus hatte der neue Gleichrichter nur eine Spannungsfestigkeit von 250 Volt. In manchen Gegenden kann das heutzutage, unter bestimmten Bedingungen, schon nicht mehr ausreichen. Der Gleichrichter hatte übrigens keinen Vorwiderstand. Bei dem bis dahin auf 220 Volt eingestellten Spannungswahlschalter, hatte das zur Folge, das dass Radio immer mit 325 Volt Betriebsspannung versorgt wurde.
Die Ersatzelkos wurden befestigt, der Gleichrichter erneut ersetzt (1000Volt/1A) und sicher befestigt. Ein Vorwiderstand war nicht nötig. Der Spannungswähler wurde auf 240 Volt eingestellt. Von 230 Volt Eingangsspannung ausgehend, passt so die Betriebsspannung fast Voltgenau. Es gibt auch kein Problem mit der Heizspannung. 6,1 Volt sind hier durchaus akzeptabel und gefahrlos für die Röhren in Bezug auf Unterheizung.
Im Bereich Netztrafo / Relaisspule des Ein/Aus Schalters wurden irgendwann mal einige Leitungen durchtrennt, wieder zusammengelötet und dann die Flickstellen mit Isolierband versehen. Keine Ahnung warum die Leitungen durchtrennt wurden, man hätte sie problemlos an der Anschlußstelle ablöten können. Jetzt im Nachhinein mußten die Flickstellen beibehalten werden, da z.B. die Leitungen direkt aus der Relaisspule heraus kommen. Wie auch immer, die Isolierungen waren für meinen Geschmack nicht zufriedenstellend. Außerdem gab es noch zwei alte Entstörkondensatoren. Noch werthaltig, aber hier gehören Kondensatoren hin, welche wirklich sicher sind.
Die betroffenen Leitungen wurden neu isoliert und die Entstörkondensatoren gegen zeitgemäß neue und vor allem sichere x1y2 Kondensatoren gewechselt.
Nun habe ich mich dann auch mal dem eigentlichen Fehler gewidmet. Es gibt eine Taste mit welcher man zwischen den Modi "Sprache/Musik" wechseln kann. Hier funktionierte diese Umschaltung nicht.
Kurz erklärt:
Die Taste selbst bedient unmittelbar nur einen Schaltkontakt. In der Folge sitzt zunächst ein 6,8 kohm Widerstand, gefolgt von einem 200uF Becherelko. Der Widerstand ist vorgeschaltet um den Elko etwas gebremst und nicht schlagartig aufzuladen. Bei betätigen der Taste entläd sich der Elko schlagartig und schaltet so ein mechanisches! Relais. Dieses Relais schaltet so zwischen Sprache und Musik hin und her.
Besagter Widerstand wurde bereits in der Vergangenheit schon mal gewechselt. Und war nun (wieder?) hochohmig. Gab es eingebaut noch einen Messwert von 8 Mohm, zeigte er ausgebaut nun gar keinen Durchgang mehr.
Meine Fehlersuche begann ich mit der Messung am 200uF Elko, ob dort überhaupt Spannung ankommt. Anliegen sollen hier ca.260 Volt. Die Messung war interessant. Anfänglich ca. 12 Volt und dann geschätzt ein Spannungsaufbau von ca. 1 Volt/min. Man stelle sich den hochohmigen Widerstand vor wie eine völlig verstopfte Wasserleitung. Hinten tröpfelt es dann nur raus.
Die Frage war, warum hat auch der bereits ausgetauschte Widerstand aufgegeben? Mein Verdacht fiel auf den vielleicht nicht mehr ganz taufrischen 200uF Becherelko. Abgelötet, gemessen und - nur noch eine Kapazität von 114uF. Nun muß eine deutlich geringere Kapazität nicht automatisch auch einen erhöhten Leckstrom bedeuten, welcher dann den Widerstand killt. Oft gehen diese beiden Dinge aber altersbedingt Hand in Hand.
Daher: Wird auch nur einer von beiden Punkten als schlecht gemessen/ bewertet - Elko austauschen!
Also wurde natürlich auch hier erneuert. Da es bei den SABA Automatics selten freien Platz gibt, war hier ebenfalls keiner für einen Ersatzelko z.B. unterhalb des Chassis. Daher habe ich den Becher ausgebaut, neu befüllt und wieder an Ort und Stelle eingebaut.
Der Widerstand wurde natürlich ebenfalls erneuert und siehe da, die Sprache/Musik Schaltung funktioniert wieder einwandfrei!
Ich möchte noch kurz etwas ins Detail gehen was genau ich gemacht habe und warum.
1. Widerstand
Ich habe zwei Widerstände mit je 3,3kohm a 2 Watt Verlustleistung in Reihe geschaltet (ergeben zusammen 6,6kohm). Das weicht nur minimal von den originalen 6,8kohm ab. Für das Laden des Elkos und die Funktion des Relais macht dieser winzige Unterschied überhaupt keinen Unterschied.
2. Massive Leistungsreserve (4 Watt).
Da sich die Leistung in einer Reihenschaltung gleichmäßig aufteilt, erhöht sich die gesamte Belastbarkeit auf 4 Watt. Selbst wenn der Elko im Alter wieder einen kleinen Leckstrom entwickelt, werden diese 2-Watt-Widerstände kaum noch handwarm.
3. Verdoppelte Spannungsfestigkeit
Das ist der größte Vorteil bei 260 Volt: Da die Widerstände hintereinanderliegen, teilen sie sich die Spannung im Moment des Einschaltens. An jedem Widerstand fallen maximal 130 Volt ab. Selbst wenn es, wie hier, normale Metallschichtwiderstände sind, liegen 130 Volt weit unter deren maximaler Spannungsgrenze. Auch die Gefahr von eventuell inneren Funkenüberschlägen ist damit vom Tisch.
1.Becherelko neu befüllt
Ich habe zwei Kondensatoren mit je 100 μF / 450 Volt parallel geschaltet, diese ergeben zusammen genau 200 μF. Das entspricht exakt dem Originalwert der Schaltung. Das Relais wird sich damit wieder haargenau so verhalten wie am ersten Tag.
2. Riesige Sicherheitsreserve (450 Volt)
Mit einer Spannungsfestigkeit von 450 Volt sind die neuen Elkos absolut "schussfest" gegenüber den 260 Volt der Schaltung. Sie haben fast 200 Volt Puffer. Dadurch werden die Kondensatoren kaum belastet, entwickeln so schnell keinen Leckstrom mehr und halten quasi ewig.
3. Geringere Belastung der Bauteile
Weil sich der Strom beim Entladen und Laden auf zwei Kondensatoren aufteilt, halbiert sich auch die Belastung für jeden einzelnen Elko. Das verlängert die Lebensdauer des gesamten Systems noch einmal deutlich.
Wie hatte der Kunde zu Beginn unseres Kontaktes geschrieben: ....ich möchte es "nur" perfekt....! Nun denn, das ist auch immer mein Wunsch😉.
Die weitere Durchsicht ergab, das mit Ausnahme des Lade/Siebelkos alle anderen noch original waren. Nach Rücksprache mit Marco wurden alle gegen neue ausgetauscht. Was gut war. Z.B. die Kathodenelkos: Soll 100uF / Ist 1x 40uF, 1 x47uF.
Neben anderen fand ich weitere sechs Elkos im Stereo-Decoder. Egal welcher Stereo-Decoder bisher, die findet man dort immer. Und diesen Kleinstelkos sieht man, bisher auch immer, schon ohne Überprüfung an....da ist nix mehr mit los.
Der Decoder ist einfach über einen Steckkontakt in Form der Röhrensockel/fassungen mit dem Chassis verbunden. Mit zwei Schrauben wird er dann noch an einem separaten Rahmen fixiert.
Dann nur noch die Schutzhülle abschrauben und das Innenleben liegt zur Überprüfung / Instandsetzung frei. Die Kleinteile von der Platine zu bekommen ist dann allerdings recht mühselig.
Und das war es dann auch schon fast. Die Automatic läuft butterweich und macht genau was sie soll. Ein paar Kontakte wurden noch gereinigt und weitere Elkos im Radiogehäuse noch erneuert.
In diesem Radio finden sich recht viele WIMA Kondensatoren. Aber nicht die "bösen". Zwar sehr frühe, aber schon Folienkondensatoren. Ich habe drei getestet auf Kapazität und Isolationswiderstand - alle drei waren perfekt. Und da es ohnehin keinerlei Schwächen im Betrieb gibt, verblieben die Kondensatoren auch im Gerät.
Und wie fast immer, gibt es dann noch Kleinigkeiten mit deutlichen Auswirkungen. Hier war ein Anschlußdraht der UKW Antenne im Stecker lose. Das hatte schon einmal jemand bemerkt und .... ein Stückchen Holz in das Anschlußloch geklemmt. Die Folge: Je nach Kabelposition mal guter, mal schlechter Empfang. Das Holzstück wurde entfernt und die Leitung neu im Kontaktstift verlötet. Der gute Empfang war damit wieder hergestellt.
Interessant finde ich noch die Lösung mit zwei magischen Bändern. Eins dient nur der mono Abstimmung, das andere zur Stereoabstimmung. Wann ein Stereosignal wie gut empfangen wird, ist so unmißverständlich erkennbar.
Nun bin ich ohne Umschweife völlig voreingenommen was die alte Technik angeht. Ich würde jederzeit ein altes Röhrenradio einem superduperhightecganzneuaufdemmarkt Gerät vorziehen! Aber jeder muß doch zugeben, das es all die alten, hochinnovativen und hochqualitativen Hersteller wie SABA, Grundig, Telefunken, Loewe-Opta und viele mehr nicht mehr gibt - es ist ein Jammer! Und niemand sollte sich blenden lassen wenn der ein oder andere Name heute noch auf neuen Geräten erscheint. Das sind nur noch die Namen und hat nichts! mehr mit den damaligen Firmen/Herstellern zu tun.
Umso größer ist immer meine Freude, wenn wieder eins der alten Geräte gerettet wurde und manchmal erst nach Jahrzehnten wieder in Betrieb geht und vom Besitzer mit Freude genutzt wird.
An dieser Stelle ein Danke an Marco und all die anderen die dies möglich machen!
Bericht Ende.





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